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Der erste Todesfall, an den ich mich erinnern kann, ist der Tod meiner Urgroßmutter. Damals war ich sowas 7 oder 8 Jahre alt.

Es wäre gelogen zu sagen, dass ich ein besonderes Naheverhältnis zu ihr hatte. Im Grunde genommen habe ich sie kaum gekannt. Daher hat es mich auch nicht sonderlich getroffen, als sie gestorben ist. Ich weiß noch, dass meine Oma damals zu meinen Eltern gekommen ist, um ihnen die Nachricht zu überbringen (wir hatten noch kein Telefon). Und wir Kinder mussten aus dem Zimmer gehen. Ich weiß bis heute nicht warum.

Die Uroma war klein und zierlich. Ich habe ihr Bild noch vor Augen. Braunes Haar mit der damals bei älteren Damen üblichen Wellenfrisur. Lächelnd.

Wir haben sie zweimal im Jahr besucht - zu Weihnachten und zu Ostern. Sie hat in einer Altbauwohnung gelebt, die ich als eher düster in Erinnerung habe. Alte, schwere Möbel, einen Herrgottswinkel, einiges von diesem kitschigen Zeug wie Plastikrosen, Heiligenbildchen und eine Dackelfigur mit Wackelkopf (der hatte es mir allerdings sehr angetan!).

Als ich kleiner war, hatte ich ein wenig Angst vor ihr. War wohl auch auf die Wohnung zurückzuführen und darauf, dass sie mir doch ziemlich fremd war. Aber jetzt im Nachhinein betrachtet muss ich sagen, dass sie eine sehr nette Frau war. Schade, dass ich das damals nicht richtig zu schätzen wusste.

Und ich weiß noch, dass wir in der Volksschule - erste Klasse muss das wohl gewesen sein - einmal gefragt wurden, wer noch Urgroßeltern hat. Das waren nicht viele und ich war ganz stolz, dass ich aufzeigen konnte und sagen konnte, dass ich eine Uroma habe.

Erst viel später habe ich erfahren, dass sie eigentlich gar nicht meine richtige Urgroßmutter war, sondern die zweite Frau meines Urgroßvaters. Also meine Stiefurgroßmutter. Aber das macht nichts, für mich ist sie bis heute die Uroma geblieben und ich denke gerne an sie zurück.
Bambi meinte am Mo Nov 1, 13:01:
Meine letzte Urgrossmutter
ist an meinem 18. Geburtstag gestorben. Damit hat sie dafür gesorgt, dass ihr Todestag mir immer in Erinnerung bleibt. 
cheridwen antwortete am Mo Nov 1, 14:25:
Oje, Todesfälle an Feiertagen finde ich immer ganz besonders tragisch. Wenn einem der Verstorbene sehr nahe war, muss das ganz besonders schlimm sein - dann kommt vermutlich auch Jahre später keine rechte Festagsstimmung mehr auf. Mir ginge es jedenfalls so. Und wie ist das für dich? 
Bambi antwortete am Mo Nov 1, 21:03:
Es bleibt immer ein Schatten
auf dem Tag der Volljährigkeit. Aber später haben andere Todesfälle das leider in den Schatten gestellt. Und es bleibt eine schöne Erinnerung an eine tolle Uroma, zu der das Verhältnis bis zum Tod immer besser geworden ist. Als Kind hatte ich eher wenig Kontakt zu ihr, als Jugendlicher habe ich sie jedoch oft besucht. 
cheridwen antwortete am Di Nov 2, 09:15:
Gut, dass du wirklich schöne Erinnerungen an sie hast. Und gut auch, dass du als Jugendliche die Chance, eine Beziehung mit ihr aufzubauen, offenbar erfolgreich nutzen konntest. 
barbitos meinte am Mo Nov 1, 14:35:
ich denke immer noch gerne an meine 'urbsi', ich war wohl auch so um die acht jahre alt, als sie mit weit über 90 starb. ich seh sie noch baumkraxelnd im kirschenbaum, um mir die schönsten und besten herzkirschen zu pflücken....
urbsi, ich vermiss dich, du warst wirklich eine tolle frau! 
cheridwen antwortete am Mo Nov 1, 14:50:
"Urbsi" - süß! Hast du wie öfter gesehen als ich meine? 
barbitos antwortete am Mo Nov 1, 15:10:
ja, ich durfte sie oft besuchen. sie hatte einen wundervollen garten am rosenhügel (wissen wohl nur wiener wo der ist), und wenn ich so drüber nachdenke, fallen mir unendlich viele geschichten ein.
danke :-) 
cheridwen antwortete am Mo Nov 1, 15:17:
Ich bin aus Wien und "Am Rosenhügel" kenn' ich flüchtig. Wie schön, dass du deine Urgroßmutter besser kennen lernen konntest als ich meine. Und noch viel, viel schöner, dass du so gute Erinnerungen an sie hast! 
julya meinte am Mo Nov 1, 14:58:
urgroßeltern
hatte ich nie bzw. nie kennengelernt. aber mein großvater ist ' 76 verstorben. ich denke noch oft an ihn zurück. er war erst 56 jahre, viel zu jung :( 
cheridwen antwortete am Mo Nov 1, 15:03:
Das ist wirklich viel zu jung! Eine meiner Großmütter ist mit 63 gestorben (sie bekommt demnächst auch einen eigenen Eintrag gewidmet) - auch noch viel zu früh. Wenn ich denke, dass mein Vater heute nicht viel älter ist... 
julya antwortete am Mo Nov 1, 15:15:
...
nur nicht weiterdenken. 
cheridwen antwortete am Mo Nov 1, 15:20:
Nein, tu ich eh nicht. Ich wollte nur sagen, dass 63 ja "noch überhaupt kein Alter" ist und dass sie viel zu früh gestorben ist. 
Tubias meinte am Di Nov 2, 23:48:
Ich habe eine protestantisch-ostdeutsche Vorgeschichte und habe gestern und heute bei twoday.net (österreichisch [aber nicht österreichisch dominiert]) zu ahnen begonnen, was Allerheiligen auch für eine Bedeutung hat. Solche Gedanken kommen wohl in einigen anderen Gegenden des deutschsprachigen Raums dann am Totensonntag (Sonntag vor dem 1. Advent) auf. Habe mich selbst gestern und heute lesend und schreibend mit dem Tod auseinandergesetzt. Es ist November. Es darf nicht vermieden werden, auch über unsere Vergänglichkeit nachzusinnen. Ein Denkmal für Großeltern und Urgroßeltern in einem Blog: modern und würdig zugleich.